20
Könnten wir uns in der Zeit rückwärts bewegen, würde er - analog zur „Flucht“-Bewegung des Fluchtpunktes - ebenfalls in die Vergangenheit zurückweichen und ein aus der „Jetztzeit“-Brille betrachteter Zeitabschnitt (Dt) würde uns größer erscheinen. Egal wie weit wir uns in der Zeit zurückbewegen, der Urknall liegt immer in der Vergangenheit. Nach (5) und (13) wird der Takt der kosmischen Zeit bestimmt von der Expansionsgeschwindigkeit des Universums. Je geringer die gravitative Bremswirkung der Expansion ist, um so mehr nähert sich die kosmische Zeit der (abstrakten) Newtonschen Zeit an.
Ein (hypothetischer) energiefreier Raum würde sich mit konstanter Geschwindigkeit ausdehnen (Weltmodell I in Bild 2) und man könnte in ihm die idealen Newton-Einsteinschen Inertialsysteme realisieren. Die kosmische Zeit wäre dann identisch mit der Newtonschen Zeit. Da es aber energiefreie Räume nicht gibt (auch das absolute Vakuum hat eine von Null verschiedene Energiedichte), sind ideale Inertialsysteme nicht realisierbar und deshalb muss die kosmische Zeit von der Newtonschen Zeit abweichen.
Genau betrachtet, ist die kosmische Zeit in der ART bereits enthalten.
Man hat sie bisher nur übersehen, weil ihr "Gangunterschied" zur Newtonschen Zeit außerordentlich gering ist.
Heute ( t 1 » 10 10 Jahre) beträgt er etwa 1 Millisekunde pro Jahr!

3.3 Die Zeit der ART

Schon Ernst Mach hielt es für möglich (und notwendig), dem Begriff einer absoluten Zeit einen direkten, beobachtbaren Sinn zu geben [20], S. 25. „Mach hat vermutet, dass als Maß für die absolute Zeit die „Entropie des Weltalls“ dienen könnte“ und weiter [20], S. 33: „Das durch diese absolute Zeit bestimmte Zeitmaß wäre dann nicht mehr durch optimale Erklärungsmöglichkeiten vor anderen Zeitmaßen ausgezeichnet, sondern durch reale Zustandsänderungen (Entropiezunahme, Expansion usw.) des Kosmos.“
Die Existenz einer durch kosmische Vorgänge definierten absoluten Zeit wurde übrigens nicht nur von Ernst Mach, sondern später auch von anderen Wissenschaftlern in Erwägung gezogen, wie die nachstehenden Zitate zeigen. [17], S. 481:
„Wie können wir wissen, daß es nicht ein grundlegendes Zeitmaß gibt, das mit dem Weltall insgesamt verknüpft ist?“ Paul Davies wird noch konkreter [7], S. 212: „Kann man nicht die Expansion des Universums selbst als Uhr verwenden?“
. Tatsächlich findet man im Weltradius R bzw. in der Weltmasse M genau die richtigen Parameter für die Definition einer kosmischen Uhr, welche die Lichtgeschwindigkeit c =   ~ t -1/3 stets als konstante Größe misst. Ausgedrückt durch diese Parameter, erhält man für die kosmische Zeit t die bemerkenswerte Proportionalität :
 t ~ R ~ M ~ t 2/3         (14)
 
20