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Vorwort

Um die Welt zu verstehen, entwickeln wir Modelle (Theorien), mit denen wir versuchen, die Naturvorgänge so abzubilden, dass sie unserem Verstand zugänglich werden. Wir müssen uns jedoch damit abfinden, dass die eigentliche Wirklichkeit, das Wesen der Dinge „an sich“ – zumindest auf der Entwicklungsstufe, auf der wir heute stehen – von unserem Intellekt nie vollständig erfasst werden kann. Es gilt noch immer die Kant’sche Einsicht „..., dass der Verstand der Natur seine Gesetze vorschreibt – statt die Bilder der Dinge in sich aufzunehmen“ [1].
Wenn wir aber schon auf Modelle zur Beschreibung der Wirklichkeit angewiesen sind, so sollten diese einerseits so einfach, andererseits so umfassend wie möglich sein. Was wir von einer guten Theorie verlangen, sind:
- innere Konsistenz
- Ästhetik
- Fähigkeit zur Klärung möglichst vieler, bisher ungelöster Fragen
- zweifelsfreie Bestätigung durch die Beobachtung
- Übereinstimmung mit gesichertem Wissen
Wer sich mit der Entstehung und Entwicklung unseres Universums intensiver beschäftigt, dem stellen sich viele Fragen welche die Wissenschaft derzeit nicht beantworten kann.
Gab es den Urknall wirklich? Oder erscheint er uns nur als „Knall“, wenn wir durch die Brille der heute von uns wahrnehmbaren Zeit in die Vergangenheit zurückschauen?
Warum leben wir in einem „flachen“ Universum, welches nach den gültigen Theorien hochgradig instabil wäre und nach den Gesetzen der Wahrscheinlichkeit entweder längst wieder in sich zusammengestürzt sein müsste oder sich in einen strukturlosen Raum hätte auflösen müssen, in dem es weder Sterne noch Planeten noch Lebewesen gibt?
Haben wir überhaupt noch die richtigen Theorien, um die neuesten astronomischen Beobachtungen realistisch deuten zu können?  Man könnte den Fragenkatalog noch beliebig fortsetzen. Viele Kosmologen sind inzwischen zu der Überzeugung gelangt, dass das Urknall-Modell die Entstehung und Entwicklung des Universums weitgehend richtig beschreibt [2], S.11: „Mittlerweile ist es (das Urknall-Modell) durch immer genauere Überprüfungen zu einem der am besten bestätigten Paradigmen der  Naturwissenschaft geworden...“. Aber auch die Befürworter der Urknalltheorie müssen zugeben, dass dieses Modell einige Schwächen hat, die man nicht einfach ignorieren kann. In Kapitel 2 wird darauf noch näher eingegangen.
Sicher wissen wir nur, dass es bis heute keine in sich konsistente Theorie gibt, die das Universum in all seinen Facetten, die uns dank satellitenunterstützter astronomischer Beobachtungen sowie gigantischer Teilchenbeschleuniger in einem zuvor nie gekannten Ausmaß zugänglich wurden, erklären kann. Die Superstring-Theoretiker, die der Meinung sind, die „Weltformel“ demnächst zu finden, verstricken sich derzeit in abstrakten mathematischen Modellen, die nur in 10 oder 11 Dimensionen konsistent sind. Und ein Ausweg aus dieser Sackgasse ist nicht erkennbar. Das große Problem in der Kosmologie (und in der Elementarteilchenphysik) ist, dass wir unsere Theorien vom frühen Universum experimentell nicht oder nur sehr eingeschränkt direkt überprüfen können. Wir sind mehr oder weniger auf Indizienbeweise angewiesen. Die Entwicklung kosmologischer Theorien ist deshalb von einer viel stärker intuitiv-visionären Vorgehensweise geprägt, als dies sonst in der Physik üblich ist.
 
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