Die von Newton eingeführte absolute
Zeit war Jahrhunderte lang das Fundament physikalischer Theorien.
Ohne sie hätte das Gebäude
der klassischen Physik nicht errichtet werden können [1], S. 9:
" Die von Mach, Poincarè
und Einstein am Newtonschen Zeitbegriff geübte Kritik richtet sich
daher auch nicht gegen
die Konzeption als solche, sondern
dagegen, dass die absolute Zeit als eine rein gedankliche Konstruktion
in keiner uns zugänglichen Erfahrung unmittelbar auftritt. Die absolute
Zeit kann durch kein Experiment direkt bestimmt werden und ist daher für
die konkrete Beschreibung physikalischer Vorgänge ohne praktischen
Wert."
Der praktische Wert der Newtonschen
absoluten Zeit liegt vielmehr darin, dass sie begrifflich eindeutig definiert
ist und deshalb
als "Bezugssystem" für beliebige
andere Zeitskalen dienen kann.
Ohne Bezugnahme auf die Newtonsche
Zeit wäre z. B. die relativistische Zeit Einsteins schwer verstehbar.
Schon Ernst Mach verlangte, in der
Physik nur solche Begriffe zu verwenden, die eine unmittelbare empirische
Bedeutung haben. Sein Urteil über die Newtonsche Zeit war [1], S.
18:
"Diese absolute Zeit kann an
gar keiner Bewegung abgemessen werden, sie hat also auch gar keinen praktischen
und auch keinen wissenschaftlichen Wert, niemand ist berechtigt, zu sagen,
dass er von derselben etwas wisse, sie ist ein müßiger, "metaphysischer"
Begriff."
Von einem Zeitmaß, welches
nach Machs Vorstellung der direkten Erfahrung zugänglich ist, müssen
wir natürlich auch verlangen, dass es die Naturphänomene ebenso
umfassend erklären kann wie die Newtonsche Zeit.
Bisher ist es offenbar nicht gelungen,
diese beiden Prämissen ( experimentelle Verifizierbarkeit und umfassendes
Erklärungsvermögen) unter einen Hut zu bringen
[1], S. 9: " Die Neuformulierung
eines Zeitbegriffs, der diesen Anforderungen genügt, führte auf
beträchtliche physikalische, methodische und philosophische Probleme,
die auch bis heute noch nicht zufriedenstellend gelöst sind."
Obwohl sich in den letzten Jahrzehnten
viele Wissenschaftler intensiv mit dem Wesen der Zeit auseinandergesetzt
haben
( siehe Literaturverzeichnis), scheint
der Zeitbegriff eher diffuser geworden zu sein.
Paul Davies bemerkt hierzu [2],
S. 11:
"Die herkömmliche Darstellung
der Zeit überlässt uns hilflos einem Chaos aus Rätseln und
Widersprüchen. Nach meinem Dafürhalten eignet sich die Einsteinsche
Zeit nicht, das Universum und unsere Vorstellung von ihm restlos zu erklären."
Und
[2], S. 18: "Könnte es sein, dass Einsteins Zeit und die kosmische
Zeit nicht identisch sind? Ist Einsteins flexible Zeit einfach nicht so
flexibel, dass sie bis zur Schöpfung zurückreicht?"
Sein Fazit ist schließlich
[2], S. 34:
" Die von Einstein eingeleitete
Revolution bleibt unvollendet. Wir warten immer noch auf ein vollständiges
Verständnis des Wesens der Zeit."
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